Veredlungskurs am 11.04.2026 in Entringen

Nach längerer Pause fand im Lehrgarten in Entringen wieder ein Veredlungskurs statt. Die Vorbereitungen starteten bereits im letzten Jahr. Während der Saftruhe wurden verschiedene einjährige Edelreiser von Kirsch-, Apfel- und Birnbäumen geschnitten. Doch wie und wo lagern? Dunkel, maus- und frostsicher bei möglichst konstanter Temperatur zwischen 0-5 °C außerdem nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken. Die Lagerung erfolgte zweigleisig in einem Gewölbekeller und in einer geschützten Erdmiete bis zum heutigen Veredelungstermin.
Aufgrund der warmen Temperaturen im März war beides nicht ideal. Die Kirschenreiser öffneten bereits ihre Knospen. Lediglich die Reiser der Birn- und Apfelsorten waren noch einsatzfähig. Schade, so stand fest, dass die Veredlung am blühenden Kirschbaum heute bei strahlender Sonne nicht funktionieren wird. Ein Teilnehmer regte die Lagerung im Gemüsefach des Kühlschranks an. Angesichts des Klimawandels vielleicht die Methode der Zukunft.
Interessant und sehr lehrreich war der Kurs trotzdem. Jörg Holz hatte viel Anschauungsmaterial dabei. Zeigte zahlreiche Veredlungsstellen von vor Jahrzehnten veredelten Bäumen, die nun abgängig waren. Sehr interessant, wie der Baum diese Wunden heilt und wie das Edelreis Jahr um Jahr wächst.
Die unterschiedlichen Methoden wurden vorgestellt. Die Kopulation findet vor Vegetationsbeginn (Februar–März) statt. Dabei wird Reis und Unterlage mit gleich langen, schrägen Schnitten (ca. 3-4 cm) passgenau aufeinandergelegt, sodass sich das Kambium verbindet. Für die straffe Fixierung wurde Bast verwendet, der tagszuvor kurz eingeweicht war. Anschließend die Wunde mit Baumwachs verstreichen.
Jetzt im Frühjahr, wenn sich die Rinde leicht anheben lässt ist die ideale Zeit für die Rindenpfropfung. Diese Methode ermöglicht es dickere Äste, ideal sind 4 bis 7 cm zu veredeln. Nach dem absägen sollte der obere Teil der Rinde der Pfropfköpfe mit einem scharfen Messer nachgeschnitten werden. Nun die Rinde ca. 4 cm bis zum Holz einschneiden und auf einer Seite anheben. Das Edelreis mit einem scharfen Messer schräg anschneiden und einen zweiten Schnitt so setzen, dass das Kambium der nicht angehobenen Rinde Kontakt zur Schnittfläche hat. Am besten die Schnittführung mal vorab an den abgesägten Ästen üben! Auch hier Edelreis und Unterlagen mit Bast umwickeln. Jörg Holz empfiehlt das Wickeln über die gelöste Rinde hin zur festen Seite, um die Verbindung zum Kambium möglichst luftdicht anzudrücken. Auch hier alles mit Baumwachs versiegeln und dabei das Edelreis nicht vergessen. Nach ein paar Tagen kontrollieren, ob z.B. nach Sonneneinstrahlung der Wundverschluss noch dicht ist.
Und nicht vergessen, den veredelten Baum mit einer Vogelsitzstange, die deutlich über die Veredlungsstelle ragt schützen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Edelreiser durch Vögel abgeknickt werden.
Es gab noch viele weitere Tipps zur Hygiene und zum Werkzeug. Auch der Austausch und die Erfahrungen der Teilnehmenden flossen in den gelungenen Kurs ein. Wer nun motiviert wurde und selbst Hand anlegen wollte, konnte Edelreiser von Apfel- und Birnbaum mitnehmen.